Die Widersprüchlichkeit der Illusion Die Cut-Outs des polnisch-deutschen Malers Maciej Bernhardt und das Trompe-l’œil
Veröffentlichungsdatum: 23 Okt 2024 10:26
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Kurzfassung
Die illusionistische Malerei hat eine lange Tradition. Der Bogen spannt sich vom Trompe-l’œil in der Antike bis zum Foto- und Hyperrealismus. Die illusionistische Malerei kann und soll täuschen, und das Trompe-l’œil als Sondergattung des Stilllebens forciert die Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung der Betrachtenden. Das Trompe-l’œil hinterfragt den Status der Bilder als sinnliche Medien der Erkenntnis. Sein Konzept, die Betrachtenden und ihre Vorstellung von den kanonisch verbürgten ästhetischen Grenzen des Bildes zu irritieren, hat bis heute Aktualität behalten. Daher sieht man im Trompe-l’œil einen wichtigen Aspekt zum Verständnis der Reflexion des Systems Bild. In der Diskussion des Trompe-l’œil und der illusionistischen Malerei ist bis heute aber unterbelichtet geblieben, dass Künstler:innen mit den Mitteln der illusionistischen Malerei zugleich die Illusion unterlaufen und so ihre Widersprüchlichkeit aufzeigen. Die Cut-Out-Bilder des polnisch-deutschen Malers Maciej Bernhardt sind ein herausragendes Beispiel dafür, dass das System Bild und seine Wahrnehmung auch dem Zweifel anheimfallen und die Widersprüchlichkeit der Illusion bloßgelegt werden kann. Bernhardts ab Mitte der 1990er Jahre begonnene Serie der Cut-Outs bedient sich der zwar der Mittel des Trompe-l’œils, doch in vielerlei Hinsicht geht sie über dessen Grenzen hinaus und sorgt nach der ersten Verblüffung für nachhaltige Irritation, in deren Folge die Aufmerksamkeit der Betrachtenden auf ihre eigene Wahrnehmung des Bild-Objekts gelenkt und damit zugleich die Illusion aufgehoben wird.
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